Von Ankunft bis Zuhause: Wie ich unser unmöbliertes Apartment in Shanghai eingerichtet habe
- 7. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Als wir im August, sechs Monate nach der Zusage im April, in Shanghai landeten, war die Erleichterung groß, aber die To-Do-Liste noch größer. Wir wussten, dass wir unseren finalen Wohnsitz erst nach der Ankunft vor Ort suchen würden. Das war eine bewusste Entscheidung, aber sie bedeutete auch, dass wir die ersten Wochen in einem Service-Apartment verbrachten, während wir intensiv nach unserem neuen Zuhause suchten.
Anders als die meisten Expats, die in möblierte Wohnungen ziehen, fiel unsere Wahl schließlich auf ein komplett unmöbliertes Apartment, in das wir im Oktober einzogen. Ein leeres Zuhause in einer fremden Megacity in ein gemütliches Nest für die Familie zu verwandeln, schien anfangs wie eine unlösbare Aufgabe. Zwar erhielten wir einen Zuschuss vom Vermieter für die Einrichtung, aber das Aussuchen, Bestellen und Coordinieren blieb an mir hängen. Ich möchte meine Erfahrungen der ersten Monate teilen, wie wir diese Zeit gemanagt haben, und die Tools zeigen, die mir das Leben gerettet haben.
Die Übergangszeit: Ankunft im August und das Service-Apartment
Unsere Ankunft im August war intensiv. Shanghai empfing uns mit seiner schwülen Sommerhitze und der überwältigenden Energie einer 26-Millionen-Metropole. Die erste Phase war geprägt von neuen Eindrücken, der Bewältigung des Jetlags und der logistischen Meisterleistung, die ein solcher Umzug mit sich bringt.
Da wir die Wohnungssuche bewusst vor Ort angehen wollten, bezogen wir ein Service-Apartment. Das war eine enorme Erleichterung. Es bot uns eine stabile Basis, eine kleine Küche und vor allem Zeit. Während ich tagsüber die Stadtteile erkundete, konnte ich abends in eine vertraute Umgebung zurückkehren. Ein Service-Apartment ist der perfekte „Puffer“ für Neuankömmlinge, um nicht in Panik die erste beste Wohnung zu mieten.
Die Wohnungssuche vor Ort: Ein Abenteuer für sich
Im August startete ich die Mission „Wohnungssuche“. Der Immobilienmarkt in Shanghai ist riesig, unübersichtlich und funktioniert oft nach ganz eigenen Regeln.
Tipps für die Wohnungssuche in Shanghai:
Stadtteile „erfühlen“: Verbringe Zeit in den verschiedenen Stadtteilen. Möchtest du den historischen Charme der Former French Concession oder die moderne Skyline von Pudong? Wir wollten einen Stadtteil, der familienfreundlich ist, aber dennoch den Puls der Stadt spüren lässt.
Der Relocation-Agent: Wir hatten einen Agenten an unserer Seite, der uns unterstützte. Das war Gold wert. Er half uns, Termine zu koordinieren, übersetzte die Makler-Gespräche und prüfte die Mietverträge. Die bürokratischen Anforderungen für Expats sind hoch, und ohne professionelle Hilfe kann man leicht den Überblick verlieren.
Das „Housings“-Phänomen: Viele Makler in Shanghai zeigen dir erst einmal unzählige Wohnungen, die nicht zu deinem Budget oder deinen Vorstellungen passen. Es erfordert Geduld und Klarheit, um am Ende die „Nadel im Heuhaufen“ zu finden.
Nach intensiver Suche fanden wir schließlich unsere finale Wohnung, in die wir im Oktober einzogen.
Der Einzug im Oktober: Die leere Wohnung wird zum Zuhause
Ab dem Moment, als wir den Mietvertrag unterschrieben hatten, lag die Einrichtung in meiner Hand. Der Zuschuss vom Vermieter gab uns zwar ein Budget, aber unmöbliert heißt hier: Man braucht alles – von der Gabel bis zum Bettrahmen. Die ersten Nächte nach dem Einzug waren provisorisch, aber der Prozess, die leere Hülle mit Leben zu füllen, war auch unglaublich befriedigend. Wir hatten das Glück ein paar Tage vor dem eigentlichem Einzug schon in die Wohnung zu dürfen. Dadurch konnte ich bereits die Handwerker hereinlassen um die Möbel aufzubauen und unsere Luftfracht aus Deutschland konnte geliefert werden.
Mein wichtigster Begleiter: Die Pleco-App
Mein wichtigster Begleiter in dieser Zeit war (und ist) Pleco. Diese App ist weit mehr als ein Wörterbuch. Die Funktion, mit der man Schriftzeichen über die Kamera scannen kann, hat mir im Supermarkt und im Einrichtungshaus unzählige Male das Leben gerettet. Wenn ich ratlos vor einem Regal stand, zücke ich Pleco, scannte das Etikett und wusste sofort, ob ich Waschmittel oder Weichspüler in der Hand hielt.
Mein Experten-Tipp: Installiere Pleco unbedingt noch vor deiner Abreise aus Deutschland. Ich habe in meinem letzten Artikel über die wichtigsten Apps schon detailliert darüber geschrieben, warum das so wichtig ist.
IKEA Shanghai: Ein Stück Vertrautheit
Die größte Erleichterung in der ersten Woche nach dem Einzug war die Entdeckung, dass es in Shanghai mehrere IKEA-Filialen gibt. Es klingt banal, aber in einem fremden Land vor den vertrauten Regalen zu stehen und zu wissen, was man bekommt, ist unbezahlbar. Wir haben dort die Grundausstattung für die Zimmer und die Küche gekauft.
Wie ich es ohne Chinesisch-Kenntnisse geschafft habe:
Die IKEA App: Nutze die IKEA App, stelle sie auf Englisch und erstelle dir eine Einkaufsliste.
Der Lieferservice: IKEA Shanghai bietet einen hervorragenden Liefer- und Montageservice an. Das hat uns unglaublich viel Stress erspart.
Taobao: Der Gigant für alles andere (und wie man ihn knackt)
Während IKEA die Basis lieferte, ist für alles andere – von der spezifischen Kaffeemaschine bis zum Deko-Kissen – Taobao die Antwort. Es ist unfassbar, was man dort alles findet – und wie günstig es ist.
Das technische Nadelöhr: Ein wichtiger Hinweis für alle Neuankömmlinge: Taobao gibt es nicht als WeChat-Mini-Programm. Da die beiden Plattformen zu konkurrierenden Konzernen gehören, sind sie nicht integriert. Das bedeutet, du musst die eigenständige Taobao-App nutzen, die komplett auf Chinesisch ist.
Mein Taobao-Hack: Früher war das ein Albtraum aus Screenshots und Übersetzungs-Apps. Inzwischen hat die Taobao-App selbst eine integrierte Übersetzungsfunktion. Man kann die gesamte Oberfläche auf Englisch umstellen. Das ist nicht perfekt, aber es reicht völlig aus, um Produkte zu suchen, Beschreibungen zu verstehen und den Bestellprozess zu durchlaufen. Das hat mir nach unserem Einzug im Oktober unglaublich viel Zeit und Nerven gespart.
Was du aus Deutschland mitbringen solltest (Und was NICHT)
Das Thema Container ist für jeden Expat eine Wissenschaft für sich. Wir haben uns lange überlegt, was wir mitnehmen und was wir hier kaufen.
Wichtiger Zoll-Tipp: Packe keine Lebensmittel in den Frachtcontainer. Es gibt strenge Zollbestimmungen, und die Gefahr ist groß, dass die gesamte Sendung blockiert wird oder die Lebensmittel verderben. Shanghai bietet eine unglaubliche Vielfalt an internationalen Produkten, sodass du auf nichts verzichten musst.
Aber es gibt Dinge, die man in Shanghai nur schwer, sehr teuer oder gar nicht in der gewohnten Qualität bekommt. Da wir wussten, dass wir länger bleiben, hatten wir eine Luftfracht. Aber auch ohne diese solltest du Platz im Koffer reservieren für:
Reiseadapter: Unverzichtbar! Nimm dir Universal-Adapter mit, die du für verschiedene Steckdosen-Typen nutzen kannst.
Spezifische Kosmetik/Pflege: Ich nutze inzwischen viele lokale Produkte hier und bin sehr zufrieden. Aber Achtung: Viele Gesichtscremes in China enthalten „Whitening“-Inhaltsstoffe. Wenn du das nicht möchtest, solltest du genau hinschauen oder dir deine vertrauten Pflegeprodukte aus Deutschland mitbringen.
Reiseapotheke: Deutsche Medikamente für die Kinder, Schmerzmittel und Verbandszeug. Es ist beruhigend, im Notfall Vertrautes zur Hand zu haben.
Aus einer leeren Wohnung ein Zuhause zu machen, ist ein Prozess. Es erfordert Geduld, viele Übersetzungs-Anläufe und manchmal auch ein bisschen Mut zum Fehlkauf. Aber das Gefühl, wenn die erste selbstgemachte Tasse Kaffee in den eigenen vier Wänden dampft, ist unbezahlbar. Shanghai fordert einen heraus, aber es lohnt sich, sich hier ein eigenes Nest zu bauen.
Wie geht es dir bei dem Gedanken an das Einrichten in einem fremden Land? Schreib mir gerne einen Kommentar mit deinen Fragen oder Bedenken – ich antworte dir gerne!




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