Places in Shanghai, die mich erden – meine liebsten Spots für Kaffee, Klarheit & Inspiration
- Maria K
- 14. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2025
Jede große Stadt hat ihre Ruhepole. Man muss sie nur finden. In Shanghai fühlt sich alles manchmal größer an, schneller, lauter, heller. Vor allem in Lujiazui, wo die Türme so nah stehen, dass man das Gefühl hat, der Himmel schiebt sich zwischen den Fassaden hindurch. Und trotzdem gibt es diese kleinen Orte, an denen alles einmal kurz auf Null fällt. Orte, die nichts Besonderes versprechen und genau dadurch funktionieren.
In den letzten Monaten habe ich mir meine eigenen Wege geschaffen. Wege, die mich in Balance bringen, wenn die Stadt zu schnell wird. Orte, die für mich zu Ankerpunkten geworden sind — für Kaffee, Ruhe, Klarheit oder einfach ein paar Minuten für mich.
Sie sind nicht spektakulär, und genau das ist der Punkt. Manche liegen direkt in Lujiazui, fast vor meiner Haustür. Andere erfordern einen bewussten Schritt aus meinem Alltag heraus — wie ein kleines Ritual auf der anderen Seite des Flusses.
Da wir uns gerade in einer Zeit bewegen, in der Shanghai leise versucht, weihnachtliche Stimmung zu erzeugen — mit Lichtern, die hier anders aussehen, mit einem Wintergefühl, das eher visuell als klimatisch entsteht — wirken manche dieser Orte noch einmal anders. Ruhiger. Warmer. Persönlicher.

Lujiazui: Ruhe inmitten von Glas und Stahl
Wenn man hier lebt, lernt man schnell, dass Lujiazui zwei Gesichter hat: das imposante, das man von außen kennt, und das stille, das man entdeckt, wenn man zwischen den Gebäuden hindurchgeht.
Es gibt Ecken, die mich jedes Mal runterholen. Besonders am Morgen, wenn die Luft noch kühl ist und die Straßen ruhiger sind. Ein Platz, den ich immer wieder aufsuche, liegt direkt zwischen zwei Hochhäusern. Kein Café, keine Bedeutung — nur ein schmaler Weg, auf dem der Wind anders klingt. Hier gehe ich oft ein paar Minuten langsamer. Dieses Gefühl, mitten im Finanzviertel zu stehen und trotzdem innerlich weicher zu werden, überrascht mich immer wieder.
In Lujiazui gibt es auch ein kleines Café (kein Name, damit es nicht zum Hotspot wird), das ich gerne nutze, um einmal kurz aus dem Tempo herauszutreten. Die Tische sind klein, die Beleuchtung warm, und es ist einer dieser Orte, an denen niemand etwas von einem will. Die perfekten zehn Minuten Pause.
Gerade jetzt, wo hier überall dekorative Lichter hängen — etwas weihnachtlich und winterlich genug — wirkt dieser Ort noch ruhiger. Ein kleiner Anker mitten im Glas.
Der Spazierweg entlang des Flusses
Dieser Weg ist für mich einer der ehrlichsten Orte in Shanghai. Keine große Kulisse, keine perfekte Ästhetik. Einfach ein breiter Gehweg entlang des Wassers, leichter Wind, manchmal klare Sicht, manchmal ein leichter Dunst, der alles weichzeichnet.
Wenn ich Klarheit brauche, gehe ich hier entlang — ohne Ziel, ohne Zweck. Es ist einer dieser Wege, bei denen man eigentlich nichts tut, aber alles verarbeitet. Und wenn die Stadt sich langsam für den Abend vorbereitet und die ersten Türme aufleuchten, fühlt es sich an, als würde man kurz zwischen zwei Welten stehen.
Im Dezember wirkt dieser Weg etwas ruhiger, fast sanfter. Die Temperaturen sind angenehm, die Luft frisch, und manchmal fühlt es sich an, als wäre das ganze Viertel einen Schritt langsamer.

FCC: Bewusste Auszeiten auf der anderen Seite
Ich bin gerne in der Former French Concession. Aber ich muss ehrlich sein: es ist keine Ecke, die man „mal eben“ ansteuert. Von Lujiazui aus bedeutet es: einplanen, bewusst entscheiden, Fahrtzeit einberechnen.
Vielleicht ist es genau deshalb mein Ausgleich. Eine kleine, geplante Pause von meinem Alltag auf dieser Seite der Stadt.
Wenn ich rüberfahre, suche ich nicht die bekannten Straßen, nicht die Spots, die jeder kennt. Ich suche Ruhe. Und die findet man in FCC fast überall, wenn man einen Block weitergeht als die meisten.
Meine liebsten Orte dort sind schmale Gehwege unter großen Bäumen, kleine Cafés, die nicht versuchen, hip zu sein, und ein paar Straßen, die selbst an geschäftigen Tagen leiser wirken. Manchmal sitze ich einfach auf einer Bank, trinke meinen Kaffee und sehe Menschen, die gar nichts von mir wollen.
Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, wirkt die Former French Concession wie eine Version von Winter, die es nur in Shanghai gibt. Keine typische Weihnachtskulisse — eher ein ruhiges Dazwischen. Ein bisschen warm, ein bisschen kühl, ein bisschen nostalgisch.
Ich mag diese Mischung sehr.
Meine „Five-Minute-Spots“ — kleine Stopps, große Wirkung
Es gibt Orte, an denen ich nie länger als fünf Minuten bleibe — und trotzdem sind sie wichtig.
Ein bestimmter Eingang eines Apartmentkomplexes, den ich auf dem Rückweg passiere. Ein ruhiger Platz neben einem Baum, der Schatten wirft, selbst im Winter. Eine Ecke mit Blick nach oben, zwischen zwei großen Fassaden, die den Himmel einrahmen.
Diese kleinen Stopps haben sich zu Momenten entwickelt, in denen ich kurz herunterfahre, ohne viel darüber nachzudenken. Sie sind nicht instagrammable. Und genau deshalb bedeuten sie etwas für mich.
Diese Stadt braucht solche Punkte. Orte, an denen man nicht konsumiert, nicht nachdenkt, nicht plant. Nur atmet.
Warum ich solche Orte brauche
Shanghai ist wunderschön und intensiv, schnell und manchmal überfordernd. Ich liebe die Energie, aber sie kann einen auch überrollen. Vor allem, wenn man hier versucht, ein Leben aufzubauen, Struktur zu finden, sich selbst treu zu bleiben.
Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, diese kleinen Inseln zu haben — Orte, die mich erden, bevor ich das Gefühl bekomme, dass die Stadt über mir zusammenschwappt.
Es sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die mich Ruhe finden lassen. Es sind die Wege, die Tische, die Bänke, die Ecken. Vielleicht ist das der schönste Teil an Shanghai: die Balance, die man nicht sucht, aber irgendwann findet.
Und vielleicht ist das gerade jetzt, kurz vor den Feiertagen, besonders wertvoll. Ein leiser Dezember, ein paar warme Lichter, ein großes Stadtbild — und die kleinen Orte, die mich immer wieder zurückholen.






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